So funktioniert ein dynamischer Stromtarif

Bei einem normalen Tarif zahlst du für jede kWh denselben Arbeitspreis. Bei einem dynamischen Tarif ändert sich der Preis mit dem Day-Ahead-Börsenpreis. Dieser wird an der Strombörse EPEX Spot einen Tag im Voraus ermittelt, seit dem 1. Oktober 2025 für jede Viertelstunde. Die Preise für den nächsten Tag stehen jeweils mittags fest.

Bei viel Sonne fallen die Börsenpreise mittags oft auf wenige Cent oder unter null. Morgens und abends, wenn viel Strom gebraucht wird und die Sonne fehlt, steigen sie. Den Verlauf für heute und morgen zeigt die Seite Börsenstrompreis.

Für einen dynamischen Tarif brauchst du ein intelligentes Messsystem, also einen Smart Meter, der den Verbrauch pro Viertelstunde erfasst. Seit 2025 muss jeder Stromlieferant Kunden mit Smart Meter einen dynamischen Tarif anbieten (§ 41a EnWG). Den Einbau übernimmt der Messstellenbetreiber, du kannst ihn auch selbst beantragen.

Was zum Börsenpreis dazukommt

Der Börsenpreis ist nur ein Teil des Endpreises. Dazu kommen Netzentgelt und Messung, Konzessionsabgabe, Stromsteuer und Umlagen. Nach den BDEW-Durchschnittswerten für 2026 sind das zusammen rund 15,9 Cent pro kWh netto. Hinzu kommen ein Aufschlag des Anbieters, hier mit 1,6 Cent netto angesetzt, und 19 Prozent Mehrwertsteuer auf alles. Außerdem zahlst du eine monatliche Grundgebühr.

Endpreis = (Börsenpreis + 15,9 Cent + Anbieteraufschlag) × 1,19

Börsenpreis (netto) Endpreis pro kWh (brutto)
−5 ct 14,9 ct
0 ct 20,8 ct
5 ct 26,8 ct
10 ct 32,7 ct
20 ct 44,6 ct
30 ct 56,5 ct

Selbst bei einem Börsenpreis von null zahlst du also rund 21 Cent pro kWh. Gegenüber einem festen Arbeitspreis von 32 Cent sparst du nur, wenn der Börsenpreis in deinen Verbrauchszeiten im Schnitt unter etwa 9,4 Cent liegt. Gegenüber einem günstigen Neukundentarif mit 27 Cent liegt die Grenze bei etwa 5,2 Cent. Die Netzentgelte unterscheiden sich je nach Region, deine Werte können also abweichen. Wie sich die Bestandteile zusammensetzen, erklärt der Ratgeber Strompreis 2026.

Zeitvariable Netzentgelte mit § 14a Modul 3

Wärmepumpen, Wallboxen und andere steuerbare Verbrauchseinrichtungen über 4,2 kW bekommen nach § 14a EnWG reduzierte Netzentgelte. Seit dem 1. April 2025 gibt es zusätzlich Modul 3: zeitvariable Netzentgelte mit drei Stufen zu festen Zeiten, die der Netzbetreiber festlegt. Modul 3 gibt es nur zusammen mit Modul 1 und einem Smart Meter.

Kombiniert mit einem dynamischen Tarif wird dann auch der Netzanteil des Preises in günstigen Zeiten billiger. Im Gegenzug darf der Netzbetreiber steuerbare Geräte bei drohender Überlastung des Netzes auf 4,2 kW drosseln.

Für wen sich ein dynamischer Tarif lohnt

Haushalte mit E-Auto

Ein E-Auto braucht bei 15.000 km rund 2.700 kWh im Jahr und steht oft viele Stunden in der Garage. Lädt es in den günstigsten Stunden, sinkt der Preis spürbar. Jeder Cent, den der Börsenpreis in deinen Ladezeiten niedriger liegt, spart bei 2.700 kWh rund 32 € im Jahr.

Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Liegt der Börsenpreis in deinen Ladezeiten im Schnitt bei 5 Cent, zahlst du 26,8 Cent pro kWh. Für 2.700 kWh sind das rund 720 € statt 864 € beim festen Arbeitspreis von 32 Cent, also rund 140 € weniger. Liegt er im Schnitt bei 10 Cent, zahlst du mit 32,7 Cent sogar etwas mehr als im Festpreistarif. Unterschiede bei der Grundgebühr kommen noch dazu. Was das Laden insgesamt kostet, zeigt der E-Auto-Ladekosten-Rechner.

Haushalte mit Wärmepumpe

Eine Wärmepumpe braucht mehrere tausend kWh im Jahr. Über einen Pufferspeicher oder die Wärme, die im Gebäude steckt, kann sie ihren Betrieb um einige Stunden verschieben. Den meisten Strom braucht sie aber im Winter, wenn mittags wenig Solarstrom die Preise drückt. Mehr dazu im Ratgeber Wärmepumpe.

Haushalte mit Speicher

Ein Batteriespeicher kann bei niedrigen Börsenpreisen aus dem Netz laden und den Strom später abgeben. Bei jedem Durchlauf gehen aber rund 12 Prozent verloren. Das lohnt sich nur, wenn die Preisunterschiede innerhalb eines Tages groß sind.

Haushalte ohne große Verbraucher

Ohne E-Auto, Wärmepumpe oder Speicher fällt der meiste Verbrauch morgens und abends an, also oft zu teuren Zeiten. Waschmaschine und Geschirrspüler lassen sich verschieben, kommen zusammen aber nur auf wenige hundert kWh im Jahr. Hier ist ein günstiger Festpreistarif meist die sicherere Wahl, siehe Tarifvergleich.

Risiken und worauf du achten solltest

  • Preisspitzen: In einzelnen Viertelstunden kann der Börsenpreis stark steigen, etwa an windstillen Winterabenden. Wer dann viel verbraucht, zahlt mehr als im Festpreistarif.
  • Keine Preisgarantie: Deine monatlichen Kosten schwanken mit dem Markt.
  • Zusatzkosten: Prüfe Grundgebühr, Anbieteraufschlag pro kWh und die Kosten für den Smart Meter.
  • Steuerung: Die Ersparnis entsteht nur durch Verschieben. Am einfachsten geht das, wenn Wallbox oder Wärmepumpe automatisch auf Preissignale reagieren.

So prüfst du, ob sich der Wechsel lohnt

  1. Schätze, wie viel deines Verbrauchs sich verschieben lässt. Beim E-Auto ist das fast alles, bei Kühlschrank, Licht und Kochen fast nichts.
  2. Schau dir auf der Seite Börsenstrompreis über einige Tage an, wann die Preise niedrig sind und ob du in diesen Zeiten tatsächlich Strom brauchst.
  3. Rechne mit der Formel oben deinen Endpreis in diesen Zeiten aus und vergleiche ihn mit deinem Festpreis. Grundgebühr und Smart-Meter-Kosten gehören in den Vergleich.
  4. Liegt der Vorteil nur bei wenigen Euro im Jahr, bleib bei einem günstigen Festpreistarif.